Lot 81
Josef Čapek AN DER BAR

1933
Öl auf Leinwand
80 x 50 cm (h x b)
Unten rechts signiert mit „J. Č. 33“. Rückseitig ein Ausstellungsschildchen der Umělecká Beseda, Kat.-Nr. 17

Rufpreis
3 500 000 CZK
   |   137 255 EUR
Erzielter Preis
7 700 000 CZK
   |   301 961 EUR
preis ohne Aufpreis

Das für Galerien und Sammler einzigartige Bild, das ein repräsentatives Beispiel für die Arbeit von Josef Čapek darstellt, zeigt sämtliche malerischen Finessen aus der Zeit von Čapeks Schaffenshöhepunkt. Der bekannte tschechischer Maler, Grafiker, Buchillustrator und Schriftsteller Josef Čapek konnte sich in der für ihn glücklichen Zwischenkriegszeit voll und ganz seiner Arbeit widmen und in Künstlergruppen aktiv sein. 1911 war er Mitbegründer der Gruppe bildender Künstler (, der u. a. auch Václav Beneš, Emil Filla und Otakar Kubín angehörten). Ende 1912 verließen er allerdings gemeinsam mit seinem Bruder Karel diese Gruppe und traten in den Verein bildender Künste Mánes ein. 1921 wechselte Josef Čapek zur Gruppierung Tvrdošíjní (der u. a. auch Rudolf Kremlička, Václav Špála und Jan Zrzavý angehörten).
Ab den frühen 1930er Jahren schöpfte er, neben den Freuden, die ihm das Familienleben bescherte, in der Slowakei neue Inspirationen. Die Konzentration auf den Alltag spiegelte sich auch in der Form des künstlerischen Ausdrucks wider. Er wandte sich etwas der naiven Malerei, reduzierte seinen Ausdrucksregister vollständig auf eine hervorragende Konturenlinie und verließ sich auf moderne, positive Farben. Diese Komposition, die zwei männliche, einander zugewandte Gestalten an einer Bar stehend und eine weitere Figur im Hintergrund zeigt, lässt auf Personen aus einfachen Verhältnissen in Arbeitskleidung schließen. Weitere belebende Elemente in diesem Bild sind lediglich zwei Gläser und Alkoholflaschen. Mit seiner zeitgenössischen Modernität und sozialen Funktion strebt dieses Gemälde nicht direkt danach, in der Avantgarde oder Orthodoxie der Zwischenkriegszeit in der Kunst zu stehen, sondern bleibt ein reines persönliches Zeugnis, dessen größter Wert die Freiheit ist.
Herkunft: Aus dem Nachlass des ersten Besitzers, Dr. Karel Steinbach, der ein Freund der Brüder Čapek war und , der sog. Freitagsrunde (Pátečníky) angehörte.
Ausgestellt: im Künstlerischen Verein Umělecká Beseda, 1935, Katalog, Werkeaufstellung Nr. 17.
Fachgutachten von PhDr. JPavla Pečinková, CSc.