Lot 70
Josef Šíma (1891 - 1971) BOUSSOLE (KOMPASS)

98,5 x 67 cm (h x b)

Rufpreis
1 600 000 CZK
   |   59 259 EUR
Erzielter Preis
3 100 000 CZK
   |   114 815 EUR
preis ohne Aufpreis
Der geheimnisvolle weibliche Torso ist eines der drei Themen, die der Autor ab Mitte der 1920er Jahre in seinen Arbeiten akzentuiert. Im Jahr 1977 befasst sich Šíma erstmals mit diesem Motiv, und zwar in den Illustrationen zu den Erzählungen ‘Beau regard‘ von Jouve sowie in der berühmten Sammlung ‘Verlorenes Paradies‘ oder in Jaroslav Durychs Sammlung ‘Panenky‘. Um die Mitte des gleichen Jahres ist der weibliche Rumpf bereits das Hauptthema in den Arbeiten des Künstlers. Sie lassen sich in verschiedenen, und dennoch miteinander verwandten Varianten, einzeln oder in Kombination mit weiteren typischen Motiven im gesamten Werk von Šíma verfolgen – ‘Neskutečná těla 1927, Evropa 1927; Building 1928; Vzpominka na Iliadu 1934 u.a.m. Es muss erwähnt werden, dass in der modernen Malerei die Darstellung von Torsi als eigenständige Objekte ziemlich ungewöhnlich war. In Šímas Werk haben weibliche Torsi einen starken erotischen Einschlag und drücken den neuzeitlichen Erotikkult aus, so wie die altertümlichen torsalen Venus-Statuen den Fruchtbarkeitskult ausdrückten. Der in dem zu versteigernden Werk dargestellte Torso ist noch nicht ganz wertfrei und levitiert nicht, wie dies in den späteren Jahren der Fall ist. Eine Variante des gleichen Themas, die auch die gleiche Bezeichnung trägt und mit 1927 datiert ist, wurde in der Zeitschrift Musaion 1929-1930 auf S. 169 publiziert. Das dargebotene Werk wurde im Jahr 1968 im Pariser Musée National d'Art Moderne ausgestellt und ist im zugehörigen Werkeverzeichnis unter der Nummer 138 als ‘Boussole‘ aus der Sammlung von Jaroslav Vondráček aufgeführt. Das Auktionshaus erhielt das Bild aus der Sammlung eines in Deutschland lebenden, bedeutenden tschechischen Sammlers. Aquarell, Kohle, Tempera auf Papier, unten links signiert ‘Šíma 1928‘.